Neue Obsession: Expressionismus

Ich bin jemandem verfallen.
Und ich schäme mich aufrichtig, dafür das es mir erst jetzt aufgefallen ist.
Gottfried Benn.

Und das fällt mir 3 Jahre nach meinem Abitur ein – OH MEIN GOTT!
Wir behandeln das Thema Expressionismus gerade in der Berufsschule und ich habe mich aufrichtig verliebt.
Wieso ist mir das nicht schon in der Schule aufgefallen?
Wahrscheinlich war ich mit anderen Dingen beschäftigt..

Unsere heutige Aufgabe im Unterricht war es, sein Gedicht „Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke“ neu zu schreiben.
Wie, war uns überlassen.
Dazu muss ich anmerken – für alle die ihn nicht kennen – das er einen sehr morbiden Stil hat, was wohl daher kommt das er als Militärarzt arbeitete.
Ich liebe seinen Schreibweise, sie erinnert mich stark an die Texte von Rammstein bzw. die Gedichte von Till Lindemann.
Also genau mein Fall.
In diesem Gedicht geht es um den Verfall, den Tod und wie er den Menschen quält. Hier das Gedicht:

Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke

Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße
und diese Reihe ist zerfallene Brust.
Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich.

Komm, hebe ruhig diese Decke auf.
Sieh, dieser Klumpen Fett und faule Säfte,
das war einst irgendeinem Mann groß
und hieß auch Rausch und Heimat.

Komm, sieh auf diese Narbe an der Brust.
Fühlst du den Rosenkranz von weichen Knoten?
Fühl ruhig hin. Das Fleisch ist weich und schmerzt nicht.

Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern.
Kein Mensch hat soviel Blut.
Hier dieser schnitt man
erst noch ein Kind aus dem verkrebsten Schoß.

Man läßt sie schlafen. Tag und Nacht. – Den Neuen
sagt man: hier schläft man sich gesund. – Nur sonntags
für den Besuch läßt man sie etwas wacher.

Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken
sind wund. Du siehst die Fliegen. Manchmal
wäscht sie die Schwester. Wie man Bänke wäscht.

Hier schwillt der Acker schon um jedes Bett.
Fleisch ebnet sich zu Land. Glut gibt sich fort,
Saft schickt sich an zu rinnen. Erde ruft.

Und hier meine Version:

Ich sehe den Anfang des Endes.
Gebrochene Herzen in jeder Reihe.
Und jeder Wechsel zeigt mir das Unausweichliche.

Aufgehende Knospen
Sie brechen den Körper auf,
Gift verteilt sich.
Egal wie groß der Leib mal war
Jetzt ist er klein.

Unsichtbare Raupen fressen sich durch’s Fleisch.
Keine Menschen. Brutkästen. Nährboden.
Fressen und Gefressen werden.

Wie Efeu ranken die Knoten.
Die Augen geschlossen – wohlwissend
Und ahnend was kommt.

Hier liegen Tonnen von Mutter Erde.
Ich komme aus ihr und gehe in sie.
Schlussstrich
Ein Schmetterling fliegt durch die Baracke.
Das gebrochene Herz schläft selig ein.

Ich hoffe mein Post hat euch gefallen.
Vielleicht könnt ihr mir ja ein paar Tipps geben für ähnliche Gedichte, Dichter?

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