Kunst des Lebens

Das Leben in der Provinz ist in der Kindheit ein Segen. Doch sobald man auf das Erwachsenenalter zusteuert, merkt man, dass einem die Jacke der Wohlbehüteten zu eng wird. Vor allem wenn man sein Leben der Kunst widmen will.

So ergeht es den beiden Protagonisten „Johnny und Jean“ im gleichnamigen Buch von Teresa Präauer.

Oder sind das gar nicht ihre echten Namen?

„Ich denke auch daran, dass er nicht Jean heißt, weil bei uns keiner wirklich Jean geheißen hat (…) hier spricht das eh auch keiner richtig aus.“

9783835315563l

Wallstein Verlag: Hardcover – 19,99€

Der um die 20 Jahre alte Johnny schildert wild und facettenreich ihrer beider Geschichte. Am Anfang ist da der Umzug in eine größere Stadt, in die zweitgrößte des Landes. Welche das genau ist, erfährt man nicht. Vieles in diesem Roman ist kryptisch und wird eher als Möglichkeit dargestellt, statt einer wirklichen Handlung. Traum oder Wahrheit, Phantasie oder Wirklichkeit? Hat er da eben wirklich mit Duchamp geplaudert? Und warum mischt sich Mary Schoenblum ständig ein? Alles verschmilzt zu einem einzigartigem Kunstwerk. 

Dies kann man nun als Vorteil aber auch als Nachteil sehen. Im ersten Moment ist es ziemlich schwierig, sich zurecht zu finden und den Kontext zu verstehen (für einen Laien außerhalb der Kunstszene). Andererseits ist es die perfekt gewählte Schreibweise für diesen Roman. Es geht um Künstler, also muss es auch kunstvoll geschrieben werden.

Johnny scheint ein introvertierter Mensch zu sein, der noch nicht wirklich weiß, wo er hin will und wie er seine Kunst zum Ausdruck bringen soll. Jean ist sein Vorbild. Denn schon damals auf dem Land war er derjenige, der sich getraut hat vom 3-Meter-Turm einen Salto zu machen. In seinen Tagträumen stellt er sich vor wie es wäre, beste Freunde zu sein, wie sie ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig bestärken würden. Denn Jean ist schon viel weiter als er. Galerien füllen sich mit seinen Bildern genauso wie sein Bett mit vielen verschiedenen Frauen. Seine Vorliebe für französische Mädchen sollte hierbei nicht unerwähnt bleiben.

Und irgendwann treffen die beiden dann wirklich aufeinander und es entsteht eine große Freundschaft, so wie es sich Johnny schon immer in seinen Träumen ausgemalt hat. Doch schnell stellt er fest, dass Jean so wechselhaft wie das Wetter ist.

„Ich stelle fest, auch der wirklich Jean ist nicht die fleischgewordene Verlässlichkeit. Denn er hat mich – nicht nur wie schon so oft in meinen Gedanken, sondern diesmal auch sehr konkret – auf meiner Druckarbeit sitzen lassen..“

Trotzdem verbindet dieses Duo vor allem eins: die Kunst. Wenn sie dann des Nachts in ihrer Bar am Hafen sitzen und ihren Pastis trinken und über Duchamp, Dali und Kiki Smith debattieren – oder über Johnnys Neigung, Fische zu malen -, ergeben beide zusammen ein farbenprächtiges Kunstwerk. Der Eine zweifelnd und labil, der Andere selbstbewusst und extrovertiert. Die perfekte Kombination die einen Künstler ausmacht.

„Ich hab das oft, sage ich zu Jean, dass ich mir etwas großartig ausmale. Deshalb sind wir Maler geworden, ruft Jean. Stimmt, sage ich. – Prost, Jean. Prost, Johnny!“

Für mich persönlich war dieses Buch eine totale Bereicherung! Ich neige eher dazu Bücher zu lesen, die ganz normal geschrieben sind ,ohne irgendwelche Kunstgriffe. Doch dieser Roman zeigt mir, was Bücher alles können. Es stellt die komplette Lebensart der Künstlerszene dar. Von ihren Macken und Marotten, bis hin zu ihrer Undurchdringlichkeit, die sie manchmal mit sich bringt. Im ersten Moment wirkt das Ganze etwas durcheinander und wirr. Aber nach und nach hat sich das Bild für mich zusammengesetzt und am Ende sind mir „Johnny und Jean“ sehr ans Herz gewachsen.

Meine Meinung in 3 Worten: künstlerisch – bunt – ulkig!

Und wenn ich euch jetzt neugierig gemacht habe..

Ihr könnt dieses tolle Buch gewinnen! Was ihr dafür tun müsst? Schreibt mir über eure Erfahrung mit der Kunst. Habt ihr welche oder nicht? Oder könnt ihr so gar nichts mit Malerei, Architektur etc. anfangen? Einsendeschluss ist bis zum 10.03. und am Tag der Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse, wird der Gewinner ermittelt. Viel Glück 🙂

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11 Kommentare

Eingeordnet unter Buchfetisch

11 Antworten zu “Kunst des Lebens

  1. Moin!
    Sehr schöne Besprechung und ich freue mich, dass es Dir mit dem Buch genauso ergangen ist wie es das bei mir momentan tut! Habe die ersten 100 Seiten gelesen und bin wirklich begeistert! Preisverdächtig!
    Übrigens bei dieser Gelegenheit muss ich auch mal anmerken, dass mich dein Header ebenfalls sehr begeistert…Kill Bill ist episch!
    Liebe Grüße,
    Chris

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  2. Ein Leselustmacher. Es klingt ein wenig als wäre der Roman so wenig abgeschlossen wie ein Kunstwerk, sprich: man fantasiert seine Gedanken und Geschichten da hinein und erzählt sie sich selbst weiter. Dass es aber auch etwas klischeehaft das Künstlertum skizziert, hat dich nicht gestört? Aber sicher ist die Erzählung damit wirklicher als man denkt, denn letztlich leben ja viele auch gern diese Klischees und bestätigen sie damit immer wieder.

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    • Ganz im Gegenteil! Ich fand es gerade weil es klischeehaft ist so toll. Das hat das Bild des verstreuten Künstler so wunderbar dreidimensional gemacht. Durch das verworrene Springen in Szenen und den Selbstgesprächen mit alten Meistern konnte man sich sehr gut wiederfinden (.. Ich persönlich bin selbst solch ein wildgewordener Freigeist, daher konnte ich mich auch selbst darin sehen).

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  3. Liebe Antonia,
    danke dir für diese ausführliche Rezension, die noch mehr Lust macht, das Buch zu lesen – übrigens eines von den beiden Belletristik-Nominierten, die mich wahnsinnig interessieren und sofort auf meine Wunschliste gewandert sind.
    Für mich ist Kunst: Ästhetik, Liebe zum Detail, bunt. Aber auch Fotografie, in Szene setzen und schwarzweiß.
    Wenn ich Zeit habe, gehe ich gerne in Ausstellungen – von klassischen Sachen über ganz modernes Zeug, ins Theater, ins Programmkino. All das ist für mich Kunst, an der ich teilhaben kann.
    Aus Ausstellungen nehme ich gerne Bilder als Erinnerung mit oder auch mal Bildbände. Wenn ich gute Tage habe oder ein kreatives Geschenk brauche, zeichne ich auch mal selbst.
    Und eines noch: ich beneide all die Künstler, die Freigeister geblieben sind und ihr Leben so leben wie sie es wollen und mögen.
    Nun ganz liebe Grüße, viel Spaß in Leipzig und bis bald,
    Daniela

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  4. Pingback: News from the Deck #04 – Bloggerpaten und Buchverlosung | Der Literaturpirat

  5. Ohne, dass ich viel mit der Kunstszene am Hut hätte, finde ich doch, dass „Johnny und Jean“ von allen für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse nominierten Bücher am interessantesten klingt. Junge Menschen! Große Stadt! Freundschaft! Und „kunstvolle Sprache“ hört sich vielversprechend an.
    Und ich mag das Cover. Ich sollte wirklich mal was gegen meine Cover-Leidenschaft tun.

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  6. Ob ich etwas mit Kunst anfangen kann? Wahrscheinlich ja. Schlimmer jedoch, sie kann mit mir nichts anfangen. Wann immer ich oder ein Detail von mir, meinem Leben sich ihr nähert in friedlicher Absicht, rennt sie davon, die Kunst. In ihrem Reichtum an möglichen Motiven bin ich eher von geringem künstlerischem Wert.

    Schade, denn ich mag sie.

    Freundlichst
    Ihr Herr Hund

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