Nach der Messe ist vor der Messe

So schnell können 5 Tage rund um das Thema „Leipziger Buchmesse“ rum sein. Vollkommen statisch aufgeladen kam ich gestern zu Hause an und mein Kopf vibrierte. Was ist mein persönliches Fazit?

Da schon viele von uns Bloggern ihre Meinung zur Messe und dem Projekt „Bloggerpaten“ kund getan haben und ich in vielen Punkten zustimme, fällt es mir relativ schwer noch etwas konstruktives hinzu zu fügen. Ich kann das ganze nur noch einmal für mich Revue passieren lassen. Um das Ganze ein wenig zu komprimieren, werde ich meine Impressionen in Kategorien einteilen.

1. Erwartungen

Ich blogge nun schon seit knapp 3 Jahren, gleichzeitig beende ich dieses Jahr auch meine Ausbildung zur Buchhändlerin. Natürlich habe ich mich riesig darüber gefreut Bloggerpatin sein zu dürfen, doch fragte ich mich, was mich dort erwarten wird. So unbekümmert wie meine langjährige Freundin Nicole konnte ich nicht sein. Ich war extrem neugierig auf die kommenden 5 Tage, klang das ganze doch riesig, ja fast schon angsteinflößend. Ich darf ein nominiertes Buch lesen und es öffentlich rezensieren. Im Nacken die anstehende schriftliche Prüfung. In meinem Kopf ein riesiges Fragezeichen. Ich bin ein gemütlicher Blogger, poste mindestens eine Rezension im Monat und schreibe diese dann auch mit Herzblut. Wenn ich jedes Buch das ich lese, rezensieren würde, hätte ich irgendwann das Gefühl ein wandelndes Wikipedia meiner Leselust zu sein. Ich lese sehr facettenreich. Wo ich früher gesagt hätte: „Ich lese jeden Krimi, der mir in die Hände fällt.“, sage ich heute „Ich lese nur noch Kriminalromane mit gewissen Anspruch.“ Kommt Zeit, kommt Rat. Darum ließ ich mich auch auf das Experiment „Bloggerpate“ ein und bekam das perfekte Buch, das meine Präferenzen nochmals umwandeln sollte. Was erwartete ich sonst noch? Aufmerksamkeit von Seiten der Verlage, lange Gespräche mit anderen Bloggern, Taschen voller Bücher.

2. Differenzierungen

Zu Allererst wurde meine Naivität bestraft. Völlig unvorbereitet kam ich zur Messe. Keine Visitenkarten, keine Termine, im Grunde genommen: kein Plan. Ich hatte natürlich hier und da einige Punkte die ich unbedingt mitnehmen wollte: die Eröffnungsfeier im Gewandhaus, die Preisverleihung, das Gespräch mit den Autoren. Aber ich hab auch viel streichen müssen, weil ich meine physisch und auch psychischen Kräfte total überschätzt hatte. Nach knapp 7 Stunden Messe-Rummel sehnte sich Körper und Geist nur nach 2 Dingen: Erholung und Nahrung. Aber ich möchte natürlich nicht nur die negativen Seite meines unvorbereitetem Wesens ansprechen. Es gab auch positive Aspekte. ich ging viel differenzierter an die ganze Sache heran. 2015 war das 4. Jahr in Folge, in dem ich die Messe besuchte. Und ich hatte vor allem eins gelernt: KONZENTRIERE DICH AUF DAS WESENTLICHE! So ging ich mit einem einzigen Leseexmeplar nach Hause (Vgl. zu letztem Jahr: 18 Stück). Somit hatte ich mehr Platz im Koffer und weniger Gewicht zu schleppen. Ich pickte mir all jene Verlage und die dazugehörigen Bücher heraus die meinen derzeitigen Beuteschema entsprechen. Um genau zu sein: skurrile, merkwürdige Bücher über das Leben, Künstlerromane die nach dem Absurden schreien, spannungsreiche Thriller , die à la Dennis Lehane, klug und emotional-fesselnd geschrieben sind. Ich wurde fündig – wie auch anders zu erwarten – aber halt ausgewählter. Nicht wie ein Kind im Süßigkeitenladen, das nach allem greift was ihm in die Hände fällt. Ich kann also stolz von mir behaupten meine eigenen Interessen filigraner ausgefeilt zu haben.

3. Summa summarum

Zu guter Letzt zum Konflikt der sich herauskristallisiert hat. Was sind wir Blogger für die Verlage, die Messe, die Autoren? Nach jahrelangem Dulden, merkt die Branche das wir mehr als nur eine Modeerscheinung sind. Und nein wir verdienen kein Geld damit und nein wir empfehlen nicht alles was uns unter die Nägel kommt. Jeder Blogger setzt andere Prioritäten. Wir haben aufgehorcht, als uns die Möglichkeit gegeben wurde, endlich teil der Literaturszene zu sein. Doch irgendwie hingen wir dann in der Luft und keiner wollte uns vom Himmel runterholen. Wir waren zwar auf der Messe anwesend, aber vorstellen wollte uns 15 Bloggerpaten keiner. Damit meine ich nicht namentlich oder im Porträt. Einfach uns 15 – ganz normale Menschen, die aus Liebe zum Buch und mit der Fähigkeit zum Schreiben, jeweils ein nominiertes Buch des Preises der Leipziger Buchmesse, rezensiert haben. Ein weiteres Unding war die Unwissenheit der Autoren über ihre Paten. Nur ein Bruchteil wusste von uns Bescheid. Mit einem leicht bitteren Nachgeschmack endete die Begegnung. Aber das soll nicht die Unfähigkeit oder gar der Ignoranz der Messe oder der Verlage verschuldet sein. Ich denke man sollte sich vor Augen halten, dass dies die erste Anlauf war, das erste Beschnuppern. Kein Kind lernt in 5 Tag laufen. Wir stecken noch in Babyschuhen Das Buch wurde genauso verflucht wie das Internet. Am Ende gewannen beide. Also lasst uns Blogger positiv in die Zukunft schauen. Dies ist nur der Anfang. Wir sollten alle stolz auf unsere diesjährige Arbeit sein!

Hiermit möchte ich noch mal alle grüßen die ich auf der Messe kennelernen durfte und hoffe das dies nicht die letzte Begegnung war. In hoffnungsvoller Voraussicht auf die Nächste Messe.

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Buchfetisch

7 Antworten zu “Nach der Messe ist vor der Messe

  1. Das hört sich nach viel Stress und Arbeit an. Ich könnte das gar nicht. Alle Achtung. Toller Artikel!

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  2. „irgendwann das Gefühl ein wandelndes Wikipedia meiner Leselust zu sein“ – haha, sehr schön formuliert!:)
    Ja, ich gehe mittlerweile auch ganz anders durch Messen – auch Bücherläden durchstreife ich mit anderem Blick. Als „Außenseiter“ in der Buchszene waren mir Verlage bislang nur vom Namen ein Begriff, aber nun habe ich eine gute Übersicht über die große, weite Verlagslandschaft, bin über Verlagsprogramme recht gut im Bilde, fühle mich schlichtweg sicherer, wenn ich nicht einfach ein Buch lese, sondern auch weiß, woher es kommt, „wo“ es gedruckt wurde. Man darf nämlich auch nicht vergessen, dass wir in Deutschland großes Glück haben mit vielen kunstvollen Drucken beschenkt zu werden, während in angrenzenden Ländern das scheinbar Billigste Papier zwischen zwei Pappdeckel gepresst wird (Ausnahmen bestätigen die Regel).
    Du hast einen sehr schönen Rückblick gestaltet!:)
    Lieblicher Gruß

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    • Da gebe ich dir recht. Wenn man mal englische Ausgaben in der Hand hat, weiß man die deutsche Buchkunst zu schätzen. Ich kenne die Verlage, aber hab mich nie so intensiv mit ihnen beschäftigt. Nach 3 Jahren kristallisiert sich aber heraus wer, was, wie verlegt. Bei einer solch bunten Verlagswelt gar nicht so einfach 😀

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  3. Pingback: 13 Fragmente einer Buchmesse - Kapri-ziös

  4. Danke für deine Zeilen, deinen Blick auf die Messezeit. Ich habe mich sehr gefreut, kurz mit dir zu sprechen.

    Liebe Grüße – Bini.

    Gefällt 1 Person

  5. Gute Zusammenfassung. Als Blogger-Pate fühlte man sich ein bisschen benutzt. In erster Linie waren wir wohl ein zusätzlicher PR-Kanal für die Messe selbst. Dass man mit seinen Kräften haushalten muss, ist eine Erfahrung die ich ebenfalls im Lauf der Jahre gemacht habe. Am besten man überlegt sich vorher schon welche Schwerpunkte man setzen möchte. Und selbst dann schafft man nicht alles und wird mancher Plan über den Haufen geworfen. Wichtig ist zudem, dass man sich Platz für spontanes Reagieren lässt. Die Buchmesse in Leipzig ist auf jeden Fall der jährliche Höhepunkt für jeden Buchliebhaber und Literaturinteressierten.
    Viele Grüße
    Jan

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  6. Pingback: Buchkolumne 08/2015: Der Indiebookday erobert Buchläden & Internet

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