Archiv der Kategorie: Denkinhalt

Montagspoesie #14

Sinn

Ihr Leute seht her

mein Leben scheint schwer

 stehle und lüge 

verrate und betrüge 

doch morgen werd ich früh aufstehen  

mit Schätzen in den Süden ziehen 

Till Lindemann

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Montagspoesie #13

Nach dem Regen

Die Vögel zwitschern, die Mücken

Sie tanzen im Sonnenschein,

Tiefgrüne feuchte Reben

Gucken ins Fenster herein.

Die Tauben girren und kosen

Dort auf dem niedern Dach,

Im Garten jagen spielend

Die Buben den Mädeln nach.

Es knistert in den Büschen,

Es zieht durch die helle Luft

Das Klingen fallender Tropfen,

Der Sommerregenduft.

Ada Christen

 

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Montagspoesie #12

Butterblumengelbe Wiesen

Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt, –
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug dich nie gewöhnt!

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift –
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.

Christian Morgenstern

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Montagspoesie #11

Ich und Du

Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht.
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich Eines
Im andern ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in Eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.

Friedrich Hebbel

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Gänsehaut am ganzen Körper!

Eigentlich dachte ich, dass meine meine Hip Hop-Phase vorbei wäre. Früher war ich fast schon fanatisch, trug Baggys, Caps und bestand darauf das jegliche Art von Bekleidung von einer bekannten Hip Hop- Marke sein soll. Auf meinem MP3 Player liefen Bushido, Sido, King Orgasmus, Frauenarzt, KIZ und Co. 

Da war ich grad mal 15 Jahre alt. Ich wurde älter und irgendwie änderte sich mein Geschmack. Denn die Musik drehte sich irgendwie im Kreis beziehungsweise wurde sie anders. Oder wurde ich anders?  Klar muss man den Sound abkönnen, genauso wie die harten Texte ( Anmerkung: Rock und Popmusik sind in dieser Hinsicht nicht anders, nur das hier durch die Blume gesungen wird), die gereimt und meist nicht grammatikalisch richtig sind. Aber es wurde allmählich zu einem einheitlichen Brei. Gangster, Mord und Totschlag, Drogenkonsum und natürlich Frauen und ihre Rolle in diesem ganzen System. Dann tauchten auch auf einmal Technobeats in den Liedern auf ( siehe Frauenarzt ) und ab da wurde es dann nur noch lächerlich.

Also verabschiedete ich mich von diesem Musikgenre so gut wie. Klar gab es vereinzelt noch kleine Sterne an diesem Musikhimmel die ich verfolgte, aber ich wendete mich eher dem Rock zu.

Und nun das.

  

Am 08.05. kam Genetikks neues Album raus. Ich kannte schon ein paar alte Lieder, dachte mir aber nicht viel dabei. Mein Freund hingegen war aufgeregt wie ein kleines Kind (Anmerkung: passionierter Deutschraphörer). Also sah ich mir mit ihm zusammen das Snippet an und es sagte mir definitiv zu. Es hatte etwas altes. Es erinnerte mich stark an amerikanischen Hip Hop der alten Schule, der ohne David Guetta auskam.  Ich lud mir das Album auf mein Handy und nun ist es offiziell: Ich bin verzaubert! 

Ich will und kann auch gar nicht fachsimpeln wie ein eingefleischerter Rap-Kritiker, aber ich muss unbedingt meine Meinung dazu abgeben, denn „Achter Tag“ ist definitiv eine Empfehlung wert.

Die Beats bleiben einem regelrecht im Kopf hängen und einige Texte haben mich so stark berührt, dass ich den Tränen nahe war. Die Sprache der Straße hat zwar Vorrang, jedoch schafft es der Leadsänger Karuzo Themen in Worte zu fassen die weit weg sind vom üblichen Gangstergequatsche. Es geht darum ein guter Mensch zu sein und die Welt als Teil seiner selbst zu sehen („Die Welt heilt“, „Einer von den Guten“).Tue Gutes um Gutes zu empfangen. Auch japanische Einflüsse ziehen sich durch das Album („Mein Kung Fu“), die einem  erfrischend neu in der Rapwelt vorkommen. Natürlich gibt es auch die überheblichen, arroganten Lieder („Dago“), aber das rundet die ganze Sache noch ab. Daneben gibt es noch Features mit Sido, Bushido, Max Herre etc.
Muss ich noch was hinzufügen?

Einfach reinhören und sich selbst ein Urteil bilden.

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Montagspoesie #10

Vom Küssen

War ich gar so jung und dumm,
Wollte gerne wissen:
„Warum ist mein Mund so rot?“
Sprach der Mai:
„Zum Küssen.“

Hab ich fragen müssen:
„Warum ist mein Mund so blass?“
Sprach der Herbst:
„Vom Küssen.“

Anna Ritter

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Montagspoesie #9

Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube stellt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Enterich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldener Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an die Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
Sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermisst?

Du sagst, es zählt ein andrer Geist auf ihn …
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Ingeborg Bachmann (1956)

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