Mütterchen Russland lässt grüßen / Vol. 1

Gäbe es ein Land in das ich reisen möchte und das ich liebe, ohne es je gesehen zu haben? Ja! Russland ist definitiv solch ein Land für mich. Dafür gibt es auch viele Gründe. Als erstes wäre da das Land an sich: alle möglichen Vegetationen, von warm bis kalt, Wälder, Steppen, Wüsten und schneebedeckte Landschaften. Zweitens die Mentalität der Menschen. Ich durfte schon viele Russen kennenlernen. Stark wie ein Bär und doch herzlich ohnes gleichen. Und zu guter letzt die Geschichte des Landes. Kein Land hat soviel durchgemacht wie Russland. Zarenreich – Bauernstaat – Revoltionskeimzelle – gebeuteltes Leid unter der Stalinregierung – Strahlenopfer in Tschernobyl. 

Von daher ist es auch nicht weiter verwunderlich das ich zur Zeit AUSSCHLIEßLICH Bücher lese, in denen es um Russland geht und im noch besseren Fall, von einem Russen geschrieben wurde.

Deshalb möchte auch diese neue Serie starten und euch die Vielfalt der russischen Literatur näher bringen. Das Ganze ist teilweise chronologisch, teilweise aber auch inhaltlich aufgeteilt. Starten möchte ich mit Bücher die von neuerer Natur sind.
1. Moskau Babylon von Owen Matthews

 

Graf Verlag: Hardcover – 21,99€

 


Mister Matthews werden viele durch seinen Roman „Winterkinder“ kennen, doch noch nie erwähnt wurde „Moskau Babylon“, das letztes Jahr erschien. Ziemlich schade, wie ich finde, denn es bringt einem das russische Stadtleben ziemlich authentisch rüber. Es geht um den Briten Lambert, der 1995 beschließt, dort ein neues Leben zu beginnen. Ein wildes Durcheinander wird geschildert, in dem alle Bewohner der Metropole in einer Art Trance durch die Straßen taumlen. Ein Neuanfang für das Land, das ihrem Bewohnern Freiheit und Ausgelassenheit schenkt, die sich früher niemand vorstellen konnte. Der Protagonist streift durch dieses friedliche Chaos und macht sich mit den Menschen und ihren Gepflogenheiten bekannt. Und die sind nicht immer von positiver Natur. Wie heißt es so schön an einer Stelle: 

Mütterchen Russland frisst ihre Kinder, weil sie will, dass sie sicher sind.

Und so ist dieses Buch nicht nur der perfekte Bericht über diese schöne alte Stadt, sondern auch eine Studie was sie aus einem macht.

Meine Meinung in 3 Worten: bebildert – frei – postsowjetisch!


2. Kind 44 & Kolyma von Tom Rob Smith

 

Goldmann : Taschenbuch – je 9,99€

 

Leo Demidov ist Geheimdienstoffizier im Russland der Stalinzeit. Mord gibt es nicht, da dies kapitalistischer Natur ist. Doch dann wird der Sohn seines Kollegen tot aufgefunden und das Blatt wendet sich von einen auf den nächsten Tag. Denn eins steht fest: Vertrauen solltest du niemandem. Soviel möchte ich gar nicht mehr zum Inhalt sagen, außer das man dieses Buch in Rekordzeit lesen wird, da es unglaublich spannend geschrieben ist. Das zweite Buch spielt weiter in der Zeit unter der Regierung von Chruschtschow. Zwar ist Stalin tot, doch nun ist die Zeit der Rache nahe für all die jenigen die unter ihm gelitten haben. Den dritten Teil „Agent 6“ habe ich leider noch nicht gelesen, aber dies wird zeitnahe nachgeholt. Smith schafft es geschichtliche Fakten und das Leid der damaligen Verhältnisse so authentisch rüberzubringen und gleichzeitig so spannend zu verpacken, dass es eine Schande wäre die Trilogie ohne den letzten Teil zu Ende zu lesen.
Meine Meinung in 3 Worten: authentisch – packend – verräterisch!

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Über das Leben und so weiter..

Wie wurde der Mensch zu dem, was er heute ist? Was macht uns zur Krone der Schöpfung? Und wie sieht unsere Zukunft aus?

 

Pantheon Verlag: Taschenbuch – 14,99€

 
Dies alles beschreibt der Autor Yuval Noah Harari in seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“. Der Klappentext machte mich neugierig (da es meiner Ansicht nach sehr wichtig ist, sich mit seiner eigenen Spezies auseinander zu setzen) und so setzte ich mich daran es zu lesen. Ein wahres Fest! Soviel geballtes Wissen auf einen Schlag, findet man selten. Dazu hat Harari einen Schreibstil, der es einem einfach macht solch hochkomplexe Themen zu verstehen (und nicht alt und verstaubt zu klingen wie ein 80-jähriger Professor , der einem die Quantenphysik nahe bringen will).

Verstehen steht immer am Anfang eines neuen Schritts in Richtung „Weisheit“. Und nur mal so nebenbei: Homo Sapiens bedeutet soviel wie verstehender, verständiger bzw. weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch. 

Ich möchte auch gar nicht tiefer in den Inhalt gehen, den sollte man schleunigst selbst begutachten. Mich hat dieses Buch auf jeden Fall gefesselt, dazu ein Foto wie ich versucht habe beim Lesen, die wichtigsten Fakten zu filtern… ich war ziemlich überfordert!
 

Wenn ihr euch für die Menschheit, Religion, Wissenschaft, Geld, Wirtschaft und eigentlich auch alles Andere interessiert: Lest dieses Buch! 

Meine Meinung in 3 Worten: erkenntnisreich – spannend – weise! 

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Montagspoesie #14

Sinn

Ihr Leute seht her

mein Leben scheint schwer

 stehle und lüge 

verrate und betrüge 

doch morgen werd ich früh aufstehen  

mit Schätzen in den Süden ziehen 

Till Lindemann

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Montagspoesie #13

Nach dem Regen

Die Vögel zwitschern, die Mücken

Sie tanzen im Sonnenschein,

Tiefgrüne feuchte Reben

Gucken ins Fenster herein.

Die Tauben girren und kosen

Dort auf dem niedern Dach,

Im Garten jagen spielend

Die Buben den Mädeln nach.

Es knistert in den Büschen,

Es zieht durch die helle Luft

Das Klingen fallender Tropfen,

Der Sommerregenduft.

Ada Christen

 

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Sex, Rum & Salsa

Als Fan von Hunter S. Thompson, war es für mich ein MUSS „The Rum Diary“ zu lesen. Es ist circa 2 Jahr her, als ich den Film, mit Johnny Depp und Amber Heart in den Hauptrollen, geguckt und mich komplett verliebt habe. Dieses paradiesische Flair vermischt mit dem exzessiven Leben eines Reporters. Aber fangen wir mal von vorne an..

Heyne : Taschenbuch - 8,95 €

Heyne : Taschenbuch – 8,95 €

Denn der Roman ist definitiv nicht gleich zu setzen mit dem Film. Zwar sind die Protagonisten gleich, doch ist der Verlauf der Geschichte eine ganz andere.

Paul Kemp bekommt ein Angebot, in Puerto Rico bei der „Daily News“, als Reporter zu arbeiten und nimmt dieses natürlich prompt an. Mit Sack und Pack begibt er sich in ein riesiges Abenteuer. Er lernt allerhand verrückte Vögel kennen, reiche amerikanische Männer und eine junge Frau – doch um die soll es in der Buchversion gar nicht vordergründig gehen.

Paul treibt von einen Tag in den nächsten, durchlebt die Nächte mit Unmengen von Rum und philosophiert mit seinen Kollegen über das Leben.

„Glücklich“, murmelte ich und versuchte aus dem Wort schlau zu werden. Es ist einer dieser Wörter, so wie Liebe, die ich nie richtig verstanden habe. Die meisten Leute, die mit Sprache zu tun haben und damit ihr Geld verdienen, haben kein großes Vertrauen in diese Wörter.

Zu Berichten gibt es für Paul nicht viel, nur das der Rum billig ist und die Leute darin ihren Frust ertränken, dies wird ihm mit zunehmenden Aufenthalt auch klar. Doch dann bekommt er einen lukrativen Auftrag, für den er sein Paradies zunehmend mit eigener Hand zerstört.

Dieses Buch, ist der Ferrari unter den Sommerbüchern, denn es verbindet leichte Unterhaltung und detaillierte Schilderungen mit dem versteckten Hintergrund nicht flach zu sein. Denn eigentlich geht es ja doch nicht nur um Liebe, Sommer, Sonnenschein. Es geht darum seinem eigentlichen Leben zu entfliehen um dann doch nur wieder im selben Hamsterrad zu landen.

Für mich persönlich war dieses Buch ein Hochgenuss. Wer den Gonzo-Journalismus von Thompson liebt und gerne in skurrile Geschichten abtaucht, für den ist dieses Buch perfekt!

PS: Trotz meiner vorhergehenden Faszination für den Film, hinterließ dieses Buch mir einen bitteren Nachgeschmack. „Angst und Schrecken in Las Vegas“ wurde 1:1 zur Buchvorlage verfilmt, warum nicht auch dieses Buch?

Meine Meinung in 3 Worten: hochprozentig – paradiesisch – verrückt!

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Montagspoesie #12

Butterblumengelbe Wiesen

Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt, –
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug dich nie gewöhnt!

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift –
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.

Christian Morgenstern

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Karl Lagerfeld intim 

Wie wäre es wenn man Karl Lagerfeld interviewt ?

Diese Frage stellte sich John von Düffel in seinem neuen Buch „KL – Gespräch über die Unsterblichkeit“. Klingt komisch? Ist es auch. In diesem Buch führt eine unbekannte Person, ein Gespräch mit der Modeikone schlecht hin und stößt dabei auf viele Hindernisse. Schon bei seinem Empfang  ausgeführt durch den persönlichen Assistenen des Designers wird ihm grundsätzlich erst einmal alles verboten, was ein Interview sonst eigentlich richtig spannend macht.

Und doch gelingt es dem Fragenden ihm spannende Antworten zu entlocken. Zwar ergibt sich daraus eher ein Monolog statt eines Dialogs zwischen beiden, aber wer mit einer solch exentrischen Person ein Gespräch führt, sollte auf so etwas gefasst sein.
 

Dumont Buchverlag: Hardcover – 18,00€

 

„Wenn Sie von Massen angeschaut werden, werden Sie Masse.“

Es geht um das Leben, die Medien und das Spiel mit diesen. Und wenn Herr Lagerfeld so „schwadrosophiert“ merkt man die Ironie des Ganzen. Er ist genauso so unlogisch in sich ge(und ver-)schlossen wie es Zeitung, Fernsehen oder auch das Internet vormachen. Es ergibt auf der einen Seite Sinn, aber andererseits auch wieder nicht. 

Im Laufe des Buches trifft Unbekannte noch auf zwei weitere Promis und lauscht ihren Ergüssen, bis er am Ende wieder auf den Modezar trifft. 

Und was ist die Moral von der Geschicht‘? 

Man sollte immer wieder Fragen stellen und vor allem in Frage stellen. Diese Buch bietet einem eine unglaublich unterhaltsame Schilderung unserer Promentenszene und hält dieser auch gleich noch den Spiegel vor. John von Düffel hat eine phantastische Idee umgesetzt und  für mich war es ein Hochgenuss es lesen zu dürfen! 

Meine Meinung in 3 Worten: ironisch – ikonisch – philosophisch!

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