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Mütterchen Russland lässt grüßen / Vol. 2

Im zweiten Teil meiner Russland-Serie möchte ich euch Bücher vorstellen, die sich mit dem Thema Tschernobyl auseinandersetzen. Seit meiner frühesten Kindheit war dies eine historische Katastrophe, die mich unglaublich mitgerissen hat. Vor allem die Tatsache, wie naiv die Verantwortlichen mit dieser Situation umgegangen sind, lässt einen ziemlich nachdenklich werden. Und da sich dieses Desaster nächstes Jahr, genau 30 Jahre her ist, empfinde ich es als um so essentieller sich damit selbst zu konfrontieren. Hier also 3 Bücher, die sich eingehend mit dem Unglück beschäftigen.


1. Swetlana Alexijewitsch – Tschernobyl

Wenn man Lektüre sucht, die einem, eine realistische Vorstellung gibt, was die Menschen rund um des Reaktorunfalls erleiden und erleben mussten, sollte man dieses Buch definitiv lesen. Die Friedensnobelpreisträgerin setzte sich mit unzähligen Augenzeugen zusammen und lässt diese in Monologen über ihre persönlichen Empfindungen und Erfahrungen sprechen. Sei es die Frau eines Feuerwehrmannes, der nach der Explosion des Reaktors, dort aufräumte – versuchte seine Mitmenschen zu retten und das für einen Spottlohn – und danach innerhalb von wenigen Monaten an der Strahlung starb oder aber ein Soldatenchor von Männern, die sich Stolz geben ihrem Land in der Not gedient zu haben. In 38 Abschnitten erzählen sie alle, was sie bedrückt, verängstigt und vor allem was sie nie wirklich verstehen konnten – innerhalb von 48 Stunden ihre Heimat für immer zu verlieren, an etwas das man nicht sehen kann.
Meine Meinung in 3 Worten: echt – ergreifend – belehrend!
 

Piper Verlag: Taschenbuch – 9,99€

 



2. Darragh McKeon – Alles Stehende verdampft

 Dieser Roman verbindet, mehrere Familiengeschichten miteinander, die sich während des Unglücks spontan oder aber auch gewollt über den Weg laufen. Da wäre zum einen der Arzt Gregori, der nach Prybjat geschickt wird, um als führender Experte, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Und seine Exfrau Maria, die in Moskau zusammen mit ihrer Schwester und ihrem hochbegabten Sohn Jewgeni eine Wohnung teilt und für deren überleben jeden Tag kämpfen muss. Zu guter Letzt ist da noch der dreizehnjährige Artjom, der mit seiner Familie 10 km entfernt vom Reaktor wohnt und von heute auf morgen alles verliert was ihm lieb ist. Sie flüchten nach Minsk – ohne seinen Vater – und werden dort wie Aussätzige behandelt. 

„Ihr seid Gift, wisst ihr das nicht? Ihr dürft euch nicht in der Nähe anderer Leute aufhalten.“

Ein sehr eindringliches Buch, das einem, eine wage Vorstellung dessen gibt, wie es zur Zeit der Katastrophe den Menschen ging.
Meine Meinung in 3 Worten: realistisch – tragisch – verwoben!


 

Ullstein Verlag: Hardcover – 22,00€

 




3. Alina Bronsky – Baba Dunja

Nun ein Buch, das die Tragik dieser Geschichte, in den Hintergrund rücken lässt. Die alte Baba Dunja kehrt einige Jahre später mit einigen anderen zurück in ihr altes Dorf, in die Nähe des Reaktorunfalls. Sie sieht gar nicht ein, sich von etwas vertreiben zu lassen, dass sie nicht sehen kann. Humoristisch stellt dieses störrische russische Weib dar, wie sich ihr Alltag gestaltet und wie die Dorfbewohner Tag für Tag das machen, was sie schon vor „Tschernobyl“ getan haben: leben. Die einzige Verbindung zur Außenwelt, sind die Briefe ihrer Tochter aus Deutschland und ihrer Enkelin, die sie noch nie gesehen hat. Und eines Tages geschieht etwas, was Baba Dunjas Alltag aus allen Fugen bricht. Dieser Roman schafft es, vor dem Hintergrund der traurigen Vergangenheit, eine Figur des zähen russischen Mütterchens zum Leben zu erwecken, die Trotz ihrer harten Schale und des harten Lebens, einem ans Herz wächst. Ich persönlich hätte Baba Dunja gerne Mal getroffen.

Meine Meinung in 3 Worten: humoristisch – störrisch – erfrischend!



 

KiWi: Hardcover – 16,00€

 

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