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Kriminelles Oderland

Kommissar Voss ist zurück. Und diesmal verschlägt es ihn nach Polen. 



Er fährt mit seiner polnischen Freundin Maria in ihre Heimat, um dort eine Hochzeit ihrer Freunde zu feiern. Am nächsten Morgen ist sie spurlos verschwunden. Nun ja, nicht ganz. Einige Hochzeitsgäste haben gesehen, dass sie entführt wurde und Voss versucht alles, um sie wieder zu finden. Nur möchte er das Ganze inoffiziell halten, denn eine Sache macht ihn nervös: er findet in ihrem Hotelzimmer eine Waffe. Ab da an fangen die Zweifel an, die ihn allmählich immer mehr heimsuchen.
Doch das Ganze entwickelt sich in eine noch schwierigere Angelegenheit, denn ein paar 100 Kilometer westlich, in Deutschland, wird ein IT-Experte tot aufgefunden. Die Umstände sind unklar, doch nach und nach wird klar, dass sich Marias verschwinden und der Tod des Computergenies, zusammenhängen. Die Frage ist: Wie? Tag für Tag pendelt unser Portagonist nun zwischen den Grenzen um, beide Fälle zu lösen – was sich als ziemlicher wacklige Balanceakt zwischen Legalität und Verbrechen erweist und stark an seinen Nerven zerrt.

     

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Ich wartete seit der Leipziger Buchmesse auf den zweiten Kriminalroman von Maxim Leo, denn der Erste hatte mich schon umgehauen, darum waren die Erwartungen an den Zweiten mindestens genauso hoch. 
Und ich würde nicht enttäuscht
Der zweite Fall reißt einen mit in die kriminellen Machenschaften zwischen uns und unserem östlichen Nachbarland. Was das besondere daran ist? 
Herr Leo schafft es eine eine Atmosphäre zu erzeugen, die seines gleichen vergeblich sucht. Die Beschreibungen der Landschaft wirken auf mich so realitisch, dass ich nur die Augen schließen bräuchte und ich sie mir eins zu eins vorstellen kann ( was aber nicht daran liegt das ich circa 100 km weit weg vom Handlungsort wohne ). Zudem webt er indirekt die Geschichte der Oder in den Roman hinein und erzählt von einem Fluss der leider mit der Zeit immer mehr an Bedeutung verloren hat. Und zu guter Letzt das Sahnehäubchen: der Humor. Es sind auf keinen Fall flache Witze, die er in die Handlung streut, eher alltägliche Dinge, die wir mürrische Brandenburger in seinem Trott gar nicht sieht. Hier 2 ausgewählte Beispiele:

„Vielleicht, denkt Voss, ist Brandenburg überall dort, wo mehr Tiere als Menschen leben.“ 


“ Zossner war großer Fontane-Kenner, wobei man sagen muss, dass es in der Mark Brandenburg kaum jemanden gibt, der Fontane nicht kennt.“ 

Eventuell wird nicht jeder, diese Sätze als besonders humorvoll empfinden. Ein Brandenburger aber umso mehr.

Alles in allem ist dieser Kriminalroman für mich, wieder einmal, ein Fest gewesen und ich hoffe das weitere folgen werden.
Meine Meinung in 3 Worten: heimatlich – ironisch – spannend!

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Das Wandern is‘ des Büschers Lust..

In der heutigen Zeit spielt Entschleunigung eine immer größer werdende Rolle. Statt Speeddating und Leistungsdruck wollen die Leute Ruhe und Gelassenheit. Doch wo findet man diese? Ein großer Trend der im Zuge dessen aufgekommen ist, ist das Wandern (oder auch gern Pilgern). Was vor einigen Jahrzehnten nur Rentnern vorbehalten war, ist jetzt hip.

Wolfgang Büscher machte diese Erfahrung schon Jahre vorher. Im Frühling 2001 beginnt für ihn eine 2500 km lange Reise nach Moskau – zu Fuß. Dieses Erlebnis beschreibt er 2003 in seinem Buch „Berlin – Moskau. Eine Reise zu Fuß.“

Vorneweg: Ich liebe Russland. Warum kann ich nicht einmal genau sagen. Ich weiß nur das ich schon immer eine gewisse Vorliebe für alles russische hatte. Sei es Sprache, Kultur, Landschaft oder die Menschen. Daher auch mein Plan, irgendwann einmal nach Russland zu reisen. Und wie plant eine Leseratte? Richtig, mit Büchern. Ich fand dieses Buch eher zufällig im Regal meiner Mutter und doch wusste ich das es etwas ganz besonderes ist. Ich kam noch nie mit Reiseliteratur in Berührung, doch anscheinend  war der Zeitpunkt gekommen es endlich zu tun.

 

Rowohlt: Taschenbuch – 9,99€

 

Auf gerade einmal 240 Seiten schildert er eine dreimonatige atemberaubende Reise von Berlin nach Moskau. Auf diesem doch endlos lang erscheinenden Weg, lernt er viele Leute und eine Menge über ihr Leben kennen. Er erfährt viel über die Geschichte der Länder und lässt sich treiben im Rausch der Farben von Tundra und Taiga. Über Polen kommt er  nach Weißrussland und von da aus nach Russland. Immer wieder erwähnt er das er dem Osten ein Stück näher kommt. Das was die Deutschen über die Polen denken, denken die Polen über die Weißrussen und so weiter. Ziemlich klischeeschaft und doch nachvollziehbar. Der Osten ist eben doch auch nur eine relative Richtung.

Auf seiner Reise ernährt sich Büscher hauptsächlich von Schokoloade und Bier. Schlafen tut er in Hotels oder Pensionen, die wenn er Glück hat, fließend Wasser haben. Im Notfall tut es auch der Vorgarten eines Einheimischen, wo er sich heimlich versteckt. Denn ganz so offenherzig sind die Leute nicht als Sie diesen unrasierten, zotteligen Deutschen sehen, der behauptet zu Fuß nach Moskau zu laufen.

Dieses Buch reis(s)t einen mit in eine folklorisch schillernde Welt, in der das „alte“ Reisen genauso gut, wenn nicht sogar besser, funktioniert als das neue. Dieses Gefühl ein Ziel vor Augen zu haben und ihm immer näher zu kommen. Aber nicht das Ziel ist das wichtige, sondern der Weg. Und das merkt auch der Autor immer mehr. Ein wirklich tolles Werk um seine Russophilie auszuweiten. In diesem Sinne .. до свидания!

Meine Meinung in 3 Worten: wandernd – russisch – entschleunigend 

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